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Von der Serviettenskizze zur Suite

Zurückversetzt ins Wien der 1950er Jahre, und das mit dem Komfort von 2017. So präsentiert sich Ihnen die Suite M Nr. 65. Wie die Möbel aus dem ehemaligen Café Ritter, Leuchten von Tom Dixon und ein gebrauchter Parkettboden aus der Wiener Stadthalle ins Zimmer Einzug fanden, erklärt Ihnen in weiterer Folge Architekt Roland Nemetz. Lauschen Sie seinen Ansätzen und erleben Sie die Theater Suite in nachfolgendem Video.

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Wollen Sie in der Theater Suite wohnen? Es handelt sich um eine Suite M. Sehen Sie hier mehr Suite Ms.


Das Interview zum Lesen finden Sie unten nach den Fotos.

Das Gespräch in voller Länge

 

Wieso haben Sie sich für eine Zusammenarbeit mit dem Altstadt Vienna entschlossen?    

 

Durch die Mitgliedschaft bei den Schlosshotels und Herrenhäusern kenne ich das Hotel Altstadt Vienna und Herrn Otto Wiesenthal schon seit einigen Jahren. Das Altstadt Vienna hat für mich in Sachen Innovation, Stimmung, Ruhe und Identität der Altstadt Wien immer eine Vorbildfunktion gehabt.

Der Gast findet hier, wenn er nach Wien kommt, ein Hotel vor wie man es sich wünscht. Das war für mich der Grund. Herr Wiesenthal und ich haben schon in früheren Zeiten gemeinsam Heftchen kreiert, die er als Werbung für sein Hotel und wir für unser Büro verwendet haben. Gebaut haben wir noch nie miteinander, aber wir haben oft über Architektur und Planung gesprochen und dieses Mal war die Gelegenheit. Er hat uns gefragt, ob wir bei einem der vier Zimmer mit arbeiten möchten und da habe ich mit Freude ja gesagt.

Welche Vorgaben hatten Sie seitens des Bauherrn, seitens des Altstadt Vienna?

 

Mir wurde sehr viel Freiheit in der Planung zugestanden, muss ich sagen. Wir haben gemeinsam den Rohbau besichtigt, der nach dem Abbruch aller vorherigen Dinge - ich glaube es waren Wohnungen - übriggeblieben war. Nachdem ich gesehen habe, dass es ein größeres Zimmer ist, beschlossen wir, dass wir daraus eine Suite machen wollen, die nicht nur Bett mit Badezimmer ist, sondern etwas mehr kann als das. Ansonsten ist das Hotel selbst ist für mich Vorgabe genug. Wenn man sich hier umschaut, weiß man in welcher Qualität man arbeiten sollte. 

Das Hotel ist ja mannigfaltig in seinen Facetten und die Zimmer alle unterschiedlich, dennoch gibt es einen roten Faden der sich durchzieht, nämlich die Interpretation des Wiener Lebensgefühls durch den Gestalter an sich. Wie haben Sie das in diesem Zimmer umgesetzt?

 

Einer der ersten Schritte war über das Zimmer an sich und über den Charakter des Zimmers nachzudenken. Der Wunsch einen Namen zu kreieren, war gar nicht so leicht. Wir waren bei den verschiedensten Fantasienamen, die wir dann aber alle wieder verworfen haben. 

Bei einem Besuch auf der Baustelle, habe ich aus dem Fenster geschaut und mir die Frage gestellt, was unter diesem Glasdach ist. Es handelt sich um die Räume des benachbarten Off-Theaters. Dadurch ist eigentlich der Gedanke aufgekommen, man könnte das Zimmer mit Blick aufs Theater als "Theater-Suite" bezeichnen. Der Name wurde angenommen und hat auch die Fantasie der Hotelbetreiber beflügelt: Man könnte einen Schminktisch und andere Elemente vom Theater einbauen. Aus dieser Überlegung heraus ist es dann auch so geschehen.

Jetzt haben Sie eine besondere Beziehung zu Hotels. Sie sind nicht nur Architekt, sondern betreiben auch zusammen mit Ihrer Familie Hotels. Ist das eine Bürde oder ein Vorteil, wenn man Hotelzimmer entwirft?


Es ist beides. Es gibt für einen Architekten nichts Lieberes als wenn er für sich selbst bauen muss, weil er dann alles in seiner Hand hat. Er muss die Kreativität, die Entscheidungen und auch die Kritik liefern. Das ist eigentlich – das habe ich im Laufe meiner Tätigkeiten gemerkt - die schwierigste Rolle dabei. Ich persönlich oder mein Team haben es oft viel leichter, wenn wir jemanden Außenstehenden beraten. Das Team nennt sich Plan B und hat seinen Sitz in Baden.

Wenn Sie fragen Bürde oder Freude, dann ist es eigentlich beides. Natürlich macht es Spaß für sich selber zu bauen, wir haben auch sehr viele Dinge für uns gemacht. Von der Burg Oberrannach bis Baden mit dem jüngsten Umbau im At The Park, aber das möchte ich jetzt  gar nicht alles aufzählen.

Welche Vorteile hat ein Architekt, der weiß wie ein Hotel funktioniert, bei der Entwicklung eines neuen Zimmerkonzeptes? 

Das ist bei mir eine lange Geschichte. Es fängt damit an, dass ich für meine Mutter in Kärnten vor mehr als 50 Jahren im Hotel schon Gläser servieren und Aschenbecher ausleeren musste und mit meinem Vater, der ein Architekturbüro und eine Baufirma hatte und einige Hotels in seinem Leben gebaut hat. Ich durfte immer wieder an Hotelprojekten mitarbeiten, sowohl für Kunden, als auch für uns selbst.

Wenn man ein Hotel baut, entwirft und dann auch selber oder ein Familienmitglied es betreibt, sammelt man sehr viele Erfahrungen. Bei einem fremden Bauherrn ist man irgendwann mal weg, die Leute schimpfen vielleicht über den Architekten, aber der ist dann nicht mehr dabei. Wenn man aber ein Hotel für sich selbst gebaut hat, dann hört man bei jeder Gelegenheit, wenn irgendetwas nicht passt: am Mittagtisch, am Sonntag in der Früh und beim Abendessen – man wird es nicht mehr los. Das ist der Grund, warum ich sehr davon profitiert habe. Weil eben die grobe Kritik unmittelbar kommt und ich glaube, dass ich damit beruflich sehr viel anfangen konnte.


Gibt es in dem konkreten Beispiel der Theater-Suite auch ein oder zwei Punkte, die Sie vielleicht hervorheben möchten, die Sie aufgrund Ihrer Erfahrung vielleicht anders gemacht haben als sie es früher gemacht hätten?

Für mich ist es ganz wichtig, dass ein Hotelzimmer funktionell ist. Natürlich sollten auch die Ästhetik und die Form gegeben sein. Die menschlichen Bedürfnisse, sprich die Toiletten, Badezimmer - das muss einfach perfekt sein. Das möchte ich auch als Hotelbetreiber so haben. Daneben sollte es einen Platz geben, an dem man arbeiten kann zum Beispiel einen Schreib- oder Zeichentisch. Ich habe auch im Urlaub immer meine Zeichnungen dabei, viele andere Leute zum Beispiel ihren Laptop. Zudem sollte es einen Platz geben, an dem man sich hinsetzen kann, so wie hier. Wenn möglich, auch einen Platz an dem man sich ausruhen oder einen Mittagsschlaf machen kann. In der Suite war es sogar noch möglich eine kleine Hausbar unterzubringen. So kann der Gast auch ein, zwei Gäste in seinem eigenen Zimmer mit einem kleinen Buffet und Getränken bewirten.

Was können Sie uns über die Möbel, das Interieur und die Materialien des Zimmers erzählen, die Sie hier ausgesucht haben?

 

Wir haben versucht alle notwendigen Funktionen in einer geschlossenen Wand zu integrieren. Es gibt eine offene Wanne, die man durch einen Theater-Vorhang – wenn gewünscht – abgrenzen kann. Bei offenem Vorhang kann der Gast von der Wanne aus fernsehen. Ansonsten ist die Einrichtung für mich eine Melange aus traditionellen Wiener Möbeln der Nachkriegs-Moderne, die wir zufällig aber auch bewusst gefunden und zusammengestellt haben.

Der Parkettboden stammt aus der Wiener Stadthalle. Durch einen Zufall wurden uns Lehnstühle und die dazugehörige Bank aus dem Café Ritter angeboten, das der Architekt Roland Rainer geplant hat. In einem ganz anderen Fundus fanden wir einen aus derselben Zeit stammenden Schreibtisch. Das war die Zeit der SW Möbel. Diese Möbel entstammen eigentlich einem Sozialprogramm in Wien, sind  sehr in Ordnung. Wir fanden zufällig einen Sprossenstuhl ebenfalls von Roland Rainer. Man hätte fast sagen können, dass ein „Rainer-Zimmer“ geplant haben. Fast jedes Stück ist ein Teil aus Wien. Der Kleeblatt-Tisch ist ein Zufallsprodukt von einem Antiquitätenhändler im vierten Bezirk.

Der Spiegel schreibt auch eine kleine Geschichte. Er stammt aus dem ehemaligen Messepalast und dort waren in dem Rahmen, in dem heute ein Spiegel ist, die Ankündigungstafeln für die Veranstaltungen aufgeklebt. Dann gibt es noch Kunst. Bilder von bekannten Schauspielern aus Wien, die aus der Sammlung des Hotels und von den Salzburger Festspielen stammen. Außerdem gibt es noch ein Detail beim Eingang. Die Künstlerin Martina Mara-Braun hat ein Zitat von einem Theatervorhang gemalt. Wir haben es am Gang befestigt, um das Thema Theater durchzuziehen.

 

 

 

Eine persönliche Frage: Wie unterscheidet sich Ihr persönlicher Wohnstil von der Art und Weise wie Sie dieses Zimmer hier geplant haben?

 

Ehrlich gesagt überhaupt nicht. Der Unterschied ist, dass die Stile, die ich in meinem Wohnbereich verwende, noch mehr temporär auseinandergezogen sind. Wir haben neben einer ganz modernen Kommode für meine Stifte-Sammlung einen Renaissance-Schrank stehen. Also es gibt einen totalen Stilmix, in dem auch Jugendstil vorkommt. Dazu muss man sagen, mein Vater und ich haben selbst als Studenten schon sehr viele Möbel und auch Bilder gesammelt. So ist es einfach eine Melange geworden mit der ich im Laufe der Zeit auch meine Wohnung eingerichtet habe. Bei der Suite haben wir uns beherrscht den Stil nicht zu sehr zu mischen, bei mir zuhause ist es viel extremer.

 

Sie haben Ihre Stifte-Sammlung erwähnt. Sie sind bekannt für Ihre Skizzen und Ihre Ideen, die Ihnen an den unterschiedlichsten Orten kommen. Möchten sie uns ein bisschen erzählen, wie der erste Entwurf war und wie Sie dieses Zimmer zu Papier gebracht haben?

 

Das entsteht aus Skizzen. Meistens zu jeder Tages- und Nachtzeit, sehr oft auch in der Nacht, wenn man irgendwo sitzt und Zeit zum Nachdenken hat. Das kann auch bei einem Abendessen oder beim Frühstück sein. Die Papiere trage ich dann zusammen und versuche das Ganze in einen Plan einzufügen. So kommt mein Büro ins Spiel.

Mein Team zeichnet das dann und trägt alles maßstäblich in die Pläne ein. Davor wird natürlich nochmal alles genau ausgemessen. Dann besprechen wir das ganze und danach wird korrigiert. Wir haben den Grundriss für die Suite zwei bis dreimal geändert. Die Grundversion war klar, aber die Feinheiten, die Unterbringung der Toilette, der Schrank und die Bar, die Anordnung mussten noch präzisiert werden. Aber die Grundidee kommt irgendwann einmal und es gibt dann meistens irgendein Mittel, auf dem ich zeichnen kann. Das kann dann manchmal auch eine Serviette sein.  

 

 

 

Manchmal haben Architekten ein Bild eines Gastes vor sich, der ihr Zimmer bewohnen soll. Haben Sie eine Vorstellung, wer hier perfekt hineinpassen könnte?


Die Vorstellung haben wir schon. Wir haben uns die Frage anders gestellt: Wie sind die Gäste, die nach Wien kommen und welche Gäste übernachten im Altstadt Vienna? Ich weiß, dass das ein sehr internationaler Mix ist. Es kommen Leute aus Amerika, Europa, aber natürlich auch aus Österreich. Der Gast, der hier übernachtet hat eine Erwartungshaltung. Der Name lautet schließlich „Altstadt Vienna“. Für mich ist es wichtig, diese Erwartungen mit der Theater-Suite zu erfüllen. Und zwar in dem der Gast typische Möbel aus Wien vorfindet und die Wiener Stimmung spürt. Dabei spielt es letztendlich keine Rolle woher der Gast stammt. Die Theater-Suite kann gut von einem Gast bewohnt werden, der vielleicht nur ein oder zwei Tage in Wien verbringt, der Freunde zu einer kleinen Party mit Buffet und Getränken auf dem Zimmer einladen möchte. So habe ich mir den Gast für dieses Zimmer vorgestellt.

Zu der Einrichtung möchte ich auch sagen, dass wir versucht haben, alles kostenbewusst zu machen. Das kommt wahrscheinlich auch dadurch, dass wir in unserem Unternehmen auch Hotels haben. Das soll jetzt nicht sparsam heißen, sondern zweckmäßig, qualitativ hochwertig aber ohne übertriebene Kosten. Das ist mir ein Anliegen. Ich habe lange Jahre für einen Bauherrn gearbeitet. Mittlerweile ist er leider verstorben. Aber er hat immer zu mir gesagt: „Teuer bauen ist keine Kunst, billig aber schon." Ich sage nicht billig, denn wir müssen kostengünstig und vernünftig bauen. Dann liegen wir richtig. Das war auch eine der Vorgaben, die ich mir selbst gesetzt habe.

Otto Wiesenthal ist ein sehr angenehmer Auftraggeber, wie es nur wenige gibt. Wenn man ihn fragt, ob man das so machen darf, sagt er: „Du bist der Architekt, Du musst das entscheiden.“ Das habe ich wirklich selten erlebt. Viele Menschen möchten, dass man ihnen etwas vorschlägt und entschieden dann selbst, aber manchmal leider in eine andere Richtung. Das ist hier nicht der Fall und darüber bin ich sehr froh.

Für mich ist auch nicht nur wichtig, dass ein Raum bewohnbar und gemütlich ist, sondern auch dass die Lichtstimmung passt. Wenn man sich in dieser Zeit umschaut, sind es teilweise Lampen wie sie bei einem Theater-Schminktisch vorkommen. Die fünf Tom Dixon Pipes stammen aus dem Fundus des Altstadt. Fünf konnte man natürlich nicht an einem Platz verwenden. Man musste sie aufteilen: Zweimal je eine über den Nachttischen und drei Stück über dem Couchtisch. Ansonsten ist die Beleuchtung eher sehr zurückhaltend.

  

 

 

 

Was war die Idee hinter dem Badezimmerentwurf?

 

Der Gedanke beim Badezimmer ist der, dass es sowohl offen als auch nicht offen ist. Der Platz hat erlaubt, dass wir eine schöne, moderne freistehende Wanne unterbringen konnten. Diese Wanne kann man vom Zimmer aus sehen, wenn es gewünscht ist. Wenn es nicht gewünscht ist, haben wir einen Theatervorhang den man vorziehen kann. Ansonsten gibt es eine bodenebene Dusche mit Gefälle, sodass das Wasser nicht im Badezimmer stehen bleibt, sondern in der Dusche abfließt. Den Waschtisch hat Matteo Thun entworfen. Wir haben lange gesucht bis wir einen passenden gefunden haben. Dieser gefällt uns, weil er noch ein zweites Ablagefach hat, in dem der Gast seine Utensilien verstauen kann. Das ist bei vielen Waschtischen, die zwar sehr schick aussehen, meistens nicht möglich. Auch die Reling, an der man Handtücher aufhängen kann, gefällt uns sehr gut. Der große Spiegel vergrößert das Bad und ermöglicht auch, dass man sich sehr gut anschauen kann. Das Ganze aber in einem diskreten Rahmen, sodass man sich auch zurückziehen kann, wenn man möchte.