Altstadt

Talk

Zwei Mosaiksteine in Ocker und Rosé: Zimmer #10 und #12

 

Elfrid Wimmer-Repp begleitet das Altstadt Vienna seit seinen Kinderschuhen. Sowohl als Gast als auch als Gestalterin. Schon 2006 war sie für Matteo Thun als ausführende Architektin vor Ort und gestaltete acht Zimmer und eine Suite. 2018 holten wir sie erneut als kreativen Kopf ins Haus und baten sie zwei Zimmer neu zu denken. Die Architektin im Gespräch mit Geschäftsführer Philipp Patzel über die Inspiration und Idee hinter ihren beiden neuen Zimmerkreationen #10 und #12.

Buchen und Kontakt

 

Wollen Sie in einem Zimmer wie #10 oder #12 wohnen? Es handelt sich um Doppelzimmer Medium Reloaded. Sehen Sie hier mehr Doppelzimmer Reloaded.


Das Interview zum Lesen finden Sie unten nach den Fotos.

Ein Gespräch mit Elfrid Wimmer-Repp

 

 

Elfrid, du bist ja quasi ein Altstadt-Urgestein. Wie kam denn die erste Zusammenarbeit mit dem Altstadt Vienna zustande? 

 

Das wollte ich dich auch schon fragen. Ich weiß nicht seit wann Otto Wiesenthal diese Idee geboren hatte. Ich weiß nur, dass er vorher anderweitig gearbeitet hat und dann diesen Wahnsinn im Kopf hatte ein Hotel zu eröffnen. Diese Idee habe ich immer schon grenzgenial gefunden. Bei euch habe ich das Gefühl, ich komme aus Salzburg nach Wien heim, hol mir von irgendwo den Schlüssel ab und verzieh mich dann in mein Zimmer. Und jedes Mal ist das ein anderes. Das ist dieses persönliche, das Gefühl in der Stadt zu leben, nicht wie in einem Hotel, nicht beobachtet, ich muss mich nicht irgendwelchen Sachen unterwerfen lassen, wie zum Beispiel ‚sich schön zu machen‘ oder beim Restaurant oder einer Bar vorbei zu spazieren, sondern kann mich sehr privat verkrümeln. Das finde ich sehr reizvoll an dem Konzept, nach wie vor.

 

Das heißt die ersten Zimmer, die du hier als Gestalterin begleitet hast waren damals zusammen mit Otto? 

 

Ja genau, mit Otto zusammen. Sehr gerne sogar. Es gab damals eine Richtung die vor allem von einem amerikanischen Publikum sehr geliebt wurde. Manchmal ein bisschen farbenroh, ein bisschen blumig. Otto hat dann mit seinem unnachahmbaren Stil - er sagt ja manchmal er ist etwas farbenblind - Bilder und Farben frei zusammengestellt. Ich glaube er hat auch relativ rasch bemerkt, dass diese Abwechslung das Besondere ist. Unterschiedliche Architekturen, die von unterschiedlichen Büros gemacht wurden. Das ist eigentlich sein Konzept. Wie modern das heute noch ist! Das finde ich besonders. Eben nicht die Öde und Langeweile von einem durchgestylten Hotel, sondern eben dieses persönliche Gefühl. 

 

Heute sprechen wir über zwei Zimmer, die wir neu gedacht und neu gemacht haben. 

 

Relaunch. 

  

Genau! Was kannst du uns über deine gestalteten Zimmer erzählen?

 

Wir wollten aus dem Ganzen einen neuen Remix machen, unter den Gegebenheiten die da waren, wie zum Beispiel das kräftige Türkis der Mosaike der Bäder. Etwas was dem Hotel inhärent ist, ist diese Vielfalt verschiedene Stile zu vereinen. Die besondere Herausforderung war es, ein Design zu finden, welches das Hotel noch nicht kennt. Etwas einzufügen, was das Mosaik des Hauses ergänzt und etwas Neues ist.

 

In diesem Sinne habe ich mich bemüht, nicht nur farblich, sondern auch im Design gute Produkte aus den 50er Jahren zu finden, wie zum Beispiel den bekannten "Votteler Chair" welchen Arno Votteler für Walter Knoll in den 50er Jahren entworfen hat. Aber auch neue Wandleuchten, die davor sehr dunkel waren und ein bisschen zu wenig Licht zum Lesen gegeben haben. Wir haben dann die "Mantis Lampen" von Bernard Schottlander genommen. Ich finde die Lampen haben so etwas Leichtes wie Gebrochenes an sich, das hat auch etwas Besonderes. 

 

Dieser Mix wird dann mit Farben unterstrichen.

 

 

 

Du kennst das Haus schon so lange, begleitest es sowohl als Gast als auch gestalterisch immer wieder und jetzt lebt es von dieser unheimlichen Vielfalt und der Unterschiedlichkeit der verschiedenen Bereiche. Das eine, was wir immer suchen, der rote Faden, ist das Wiener Lebensgefühl. 

 

Wie ist das in deinen zwei Zimmern abgebildet?

Vielleicht nicht unmittelbar in den Zimmern, aber ich denke der rote Faden ist das Haus an sich. Dieses Wien. Man kommt zu einem Concierge, holt sich den Schlüssel und fühlt sich so als ginge man in eine private Wohnung. Das ist ja auch das Schöne - das Haus gibt es vor. Das Stiegenhaus ist ein Wiener Stiegenhaus, die Räume sind Wiener Räume - mit sehr großen Raumhöhen und auch sehr großen Raumfluchten. Das ist das besonders Wienerische. Wien war immer eine Weltstadt und daher hat sie auch unterschiedliche Einrichtungskonzepte gekannt. Wien lebt einerseits von der Jahrhundertwende und dem Jugendstil, es lebt vom Akzidentismus der dann gegipfelt hat, wo sich Josef Frank mit seinem stilvollen, zufälligen Gemische ausgezeichnet hat. Für mich ist die Vielfalt und Buntheit der rote Faden. Das ist die Grundstruktur, eine typisch Wiener Struktur, die einen Wohncharakter und keinen Hotelcharakter hat. Mit dieser Vielfalt wird eine Weltstadt abgebildet. 

 

Und hast du dir Gedanken gemacht wie die Zimmer charakteristisch dargestellt werden? Gibt es ein, zwei Stücke die du hervorheben möchtest? 

 

Ja, Zimmer #12 besitzt eine Tapete die in den 70er Jahren entstanden ist. Die habe ich in Verbindung mit dem starken, kleinen Mosaik, welches das Bad schon vorgegeben hat, sehr reizvoll gefunden. Die Tapete ist sehr lebendig und in der Höhe des Raumes wirkt sie ganz anders als in einem kleinen Raum, in dem sie wahrscheinlich auch ursprünglich gedacht war. Es ergibt sich eine gewisse Überhöhung, die fast theatralisch wirkt.

 

Wieso hast du im anderen Zimmer ein ganz anderes Farbkonzept gewählt?

 

Weil es kleiner ist. Hier ist dann die Entscheidung gefallen, auch nur einen Fauteuil zu stellen. Diesen aber dann ein bisschen bequemer und mit Fußteil. Um nicht zwei Zimmer gleichaussehend zu machen, oder ein Konzept zu wiederholen, haben wir dann ein helles Rosa gewählt. Der "Mono" Stuhl von Marco Dessi kommt sehr gut in Kombination mit dem Schwarzbraun und ist die femininere Variante.

Im Vergleich zu vorher wirkt das Zimmer gleich viel luftiger und großzügiger.

 

Was bringen die Gestalter von ihren Vorlieben und Persönlichkeiten ein, beziehungsweise wie unterscheiden sich deine Arbeiten von deinem persönlichen Wohnstil? 

 

Ich glaube, dass man natürlich eine Handschrift hat, welche auch durch das persönliche Umfeld geprägt ist. Bei mir kommt dazu, dass ich ursprünglich mit Bühnenbild und Kostüm begonnen hatte und kein Problem habe zu sagen "ich mach euch eine kleine Kopie von etwas". Persönlich habe ich einen sehr schlichten Stil, vor allem farblich. Ich liebe große, zusammenhängende Räume. Das Faszinierende an einem Hotelzimmer ist dieser kleinste Raum auf dem man wohnt. Die verschiedenen Bereiche des Wohnens, des Schlafens, der Küche und des Fernsehens dann harmonisch miteinander zu Verknüpfen und trotzdem eine Leichtigkeit und Großzügigkeit zu bewahren ist die besondere Herausforderung. Also so, dass es nie überladen wirkt. 

 

Gibt es einen bestimmten Gast der in deine Räume passt?  

 

Eine gute Frage. Das Tolle an einem Hotelzimmer ist, dass jeder seinen eigenen Platz markieren kann. Jeder hat seine eigene Art und Vorliebe Alltagsgegenstände auszubreiten. Ich denke nicht daran, welche Spuren der Raum schon hat. Ich stelle mir nicht einen speziellen Gast vor. Ich hoffe nur, dass sich der Gast mit  der Farb- und Formgebung wohl fühlt. 

 

 

 

Du hast vorhin schon gesagt, das Altstadt sagt dir als Gast zu, du fühlst dich wohl? Gibt es denn noch andere Hotels, wo du dich wohl fühlst? Gibt es sowas wie ein Lieblingshotel?

 

Eigentlich nicht, ich komm immer zu euch. Aber ich war auch schon einmal aus Neugierde im Hotel Daniel in Wien und vor kurzem war ich im Nobu Hotel in Shoreditch, London. Das ist auch eine Hotelkette, welche sehr elegant gemacht ist. Ansonsten bin ich auch sehr neugierig und schaue in andere Hotels hinein um deren Konzepte zu sehen. Das finde ich sehr spannend.

 

Und was macht ein gutes Hotel so aus, neben der Gestaltung?

 

Eine Klarheit. Man soll Zusammenhänge erkennen. Großzügige Räumlichkeiten, vor allem im Eingangsbereich. Ich finde es schön, wenn ein Hotel in die Nachbarschaft integriert ist. Wenn es von anderen Geschäften, wie zum Beispiel einem Friseur, Blumenladen, Supermarkt oder Fitnessraum eingebettet ist und nicht alleine dasteht wie ein Koloss. Es soll lebendig in die Stadt eingebunden sein. Das finde ich persönlich sehr wichtig an einem Hotelkonzept.

 

 

Danke für das Gespräch. 


Mehr...

 

Wollen Sie auch in einem Zimmer wie #10 oder #12 wohnen? Es handelt sich um ein Doppelzimmer Medium Reloaded. Mehr über Elfrid Wimmer-Repp und ihr Architekturbüro finden Sie hier: http://www.architekturbuehne.at/.