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Ein Hauch Ägäis mitten in Wien

Wie sich eine Fahrt über den Bosporus und ein Brückenschlag zwischen Wiener Kulturerbe und Osmanischem Flair in ein Zimmerkonzept umsetzen lässt, erklärt Ihnen der Modedesigner Atil Kutoglu im Interview. Lauschen Sie den Ansätzen des international erfolgreichen Kreativen und erleben Sie das Zimmer 23 in nachfolgendem Video.

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Wollen Sie in einem Zimmer wie #23 wohnen? Es handelt sich um ein Reloaded L Zimmer. Sehen Sie hier mehr Reloaded Zimmer.


Das Interview zum Lesen finden Sie unten nach den Fotos.

Das Gespräch in voller Länge

 

Wieso haben Sie sich für eine Zusammenarbeit mit dem Altstadt Vienna entschlossen?

Das Altstadt Vienna ist an mich herangetreten und hat mich gefragt ob ich ein Zimmer bzw. eine Suite für das Hotel entwerfen würde. Und ich hab die Idee eigentlich sehr nett gefunden. Ich war am nächsten Tag hier - ich kannte das Hotel Altstadt Vienna ja von den Medien und von Bekannten - aber ich war dann das erste Mal hier und hab mich durchführen lassen. Ich war begeistert. Wirklich ein einmaliges Konzept – ich weiß nicht ob es so etwas irgendwo sonst auf der Welt gibt. Es ist etwas sehr Originelles und auch Wienerisches, würde ich sagen.

 

Welche Vorgaben hatten Sie seitens des Bauherrn, seitens des Altstadt Vienna?

Das Altstadt Vienna hat mir eigentlich freie Hand gegeben, wir haben uns die Räumlichkeiten angeschaut, also die paar Räume, die eben von mir designt werden sollten. Sie wollten auch etwas, was meine Herkunft betont, also sie wollten ein türkisches Flair haben, und das hat mir sehr gut gefallen, denn das steckt auch in meiner Mode drinnen. Alle meine Kollektionen haben ein bisschen was Türkisches an sich eigentlich, aber sehr modern umgesetzt, sehr europäisch und sehr leicht und chic.

 

 

Der rote Faden durch die Erlebniswelt des Altstadt Vienna ist uns wichtig. Dementsprechend gibt es immer eine kleine Vorgabe: Das Zimmer soll Ihre Interpretation des Wiener Lebensgefühls widerspiegeln. Wie findet man das in einem eigentlich türkischen Entwurf?

Ich hab dann natürlich mehrere Gespräche geführt. Zwischen meinen Reisen war ich immer wieder im Altstadt Vienna und natürlich haben wir an einem Konzept gearbeitet, das die Gemütlichkeit widerspiegeln und wiedergeben sollte. Zusammen mit türkischer Gastfreundlichkeit und einem Touch von türkischem Flair. Ich bin jetzt nicht der Designer, der da was ganz Verrücktes machen würde, ich habe auch ein bisschen durchstudiert, wie man sich am wohlsten fühlt in einem Hotelzimmer, beziehungsweise es gab auch ein paar Vorgaben vom Team des Altstadt Vienna. Ich habe einige Entwürfe gemacht, zum Teil am Anfang sehr bunt, wir haben das später reduziert, aber ich habe mir ein Konzept überlegt. Ich dachte es muss irgendwie eine moderne Türkei repräsentieren – wie eine Yacht in der Ägäis irgendwie, das Ambiente soll eine Yacht in der Ägäis repräsentieren – man soll sich zuhause fühlen aber doch auch ein exotisches Gefühl haben, die Zimmer sollten ein exotisches Gefühl übermitteln.



Vieles, was wir heute als Wiener Kulturerbe verstehen, mag enger mit der Türkei verflochten sein, als so mancher eigentlich weiß. Wie haben Sie versucht die Verbindungen und Brücken zwischen diesen unterschiedlichen Kulturkreisen zu kreieren?

Ich möchte gerne betonen, dass das Team des Hotels sehr kosmopolitisch denkt und es ist ja auch ein kosmopolitisches Hotel. Aber irgendwie ist Wien ja auch kosmopolitisch. Es war immer schon ein Schmelzpunkt von mehreren Kulturen, von Ost und West, von Orient und Okzident. Eben die türkische Kultur ist auch Wien und Österreich sehr verbunden.

Ich kenne ein Bildnis der Kaiserin Maria Theresia in türkischer Tracht. Und dann ist der Kaffee irgendwie mit den Türkenbelagerungen nach Wien und dadurch nach Europa gekommen. Das Croissant, also unser Kipferl in Wien, wurde von einem Wiener Bäcker damals in Halbmondform entworfen. Es gibt solche Legenden und Erzählungen und einige davon sind sicherlich wahr und deswegen war es für mich eine aufregende Arbeit, diese Verbindung mit einer zeitgenössischen Handschrift zu übermitteln und zu verwirklichen. Und deshalb habe ich die Arbeit sehr ernst genommen. Es hat ein paar Monate gedauert, aber am Ende waren wir sehr zufrieden mit den ersten Entwürfen.

Und ja es sollte wie eine Brise aus der Ägäis, ein bisschen Istanbul einen Hauch von Topkapi und ein modernes Lebensgefühl haben. Das ist das Schöne an diesem Zimmer, hier habe ich ein Tor vom Topkapi Palast etwas umgestaltet und wenn man den Vorhang aufmacht, schaut man auf die Ulrichskirche, das barocke Wien.

Es ist somit sehr international aber irgendwo auch ein bisschen orientalisch und türkisch. Das macht es warm, es ist ein bisschen ein häusliches Gefühl und ich denke wenn man hinausblickt ist das alte Wien irgendwie vor dem Haus. Mit dem wunderschönen Kirchenturm und drinnen ist halt die weite Welt mit einem Hauch Istanbul.

Turkish Iznik tiles @Atil Kutoglu room

Jetzt war dies ja für Sie das erste gewerbliche Interior Design Projekt. Welche Parallelen bzw. Unterschiede zwischen Mode- und Interior-Design haben sich dabei offenbart?

Ich hab schon einige Möbelstücke und Sitzgruppen für eine große, international erfolgreiche türkische Modekette und für mich privat entworfen. Für mein Zuhause in Istanbul und auch in Wien. Es gibt Parallelen mit der Modewelt und Interior Design. Proportionen sind sehr wichtig. Um eine Ästhetik zu erreichen, muss man auf die Proportionen, auf die Farbstimmungen und die Harmonie von Formen und Farben achten. Das ist in den beiden Welten so, in der Mode und im Interior Design. Aber auch das gute Licht ist im Interior Design sehr wichtig. Da habe ich mir professionelle Hilfe geholt und habe recherchiert. Beim Entwerfen dieses Zimmers habe ich mit den orientalischen, osmanischen Formen gespielt und die umgestaltet und umgesetzt. Wir haben dann bei Tom Dixon diese 2 Lampen gefunden, die mich sehr stark an die Turbane der osmanischen Sultane erinnern. Das Gold ist auch sehr osmanisch finde ich.

Orientalisches Design lebt oft von starken Farben. Was können Sie uns über die Farbkomposition dieses Zimmers erzählen?

Die Farben sind im Orient sehr wichtig, die warmen Farben, spicygen Farben. Und natürlich sind Blau und Türkis die Farben von Kleinasien, des Osmanischen Reiches. Diese habe ich hier mit Iznik Fliesen ins Altstadt Vienna übertragen. Auch das knallige Rot ist für mich sehr orientalisch, eine Feuerfarbe. Das hier einzumischen gibt dem Zimmer eine gewisse Wärme und Häuslichkeit.

 

Was können Sie uns über die verschiedenen Hersteller und Elemente des Zimmers vermitteln?

Die Iznik Foundation, das waren die ersten, die ich kontaktiert hatte und sie waren sofort bereit uns mit ihren Fliesen zu unterstützen. Ich finde die Iznik Fliesen einmalig, deren Originale  für horrende  Summen in London oder New York versteigert werden. Diese Iznik Fliesen sind aus Porzellan und wir hatten das Glück, dass uns die originale Iznik Foundation mit Fliesen versorgt hat. Diese wurden extra handgefertigt in der Nähe von Burza, wo Iznik eigentlich liegt, das ist die Geburtstadt des osmanischen Reiches. Und so haben wir wirklich gute Elemente und gute Qualität für das Altstadt Vienna zusammengebracht. Sie waren auch stolz, dass ein Design Hotel in Wien mit ihren Sachen geschmückt wird. Hier ist daraus ein Paneel für das Betthaupt entstanden. 

Dann hat mir die Textilindustrie in der Türkei auch geholfen, sie haben meine Wünsche in sehr kurzer Zeit verwirklicht, sowie die Stoffe, also die meisten Stoffe, die zum Teil an Ikat Muster und zum Teil an osmanische Kaftane erinnern. Die habe ich aber alle reduziert und modernisiert, da es zu kitschig gewesen wäre das eins zu eins zu verwenden. Es hat eine Leichtigkeit, eine europäische Leichtigkeit., Auch die türkischen und osmanischen Inspirationen sind sehr jung und sehr modern für das Altstadt Vienna interpretiert worden.

Ich finde das ist heutzutage sehr wichtig, weil, ich höre schon, dass es Fans von dieser Suite gibt – und es ist sehr wichtig in einer europäischen Hauptstadt zu sein und doch vom Lebensgefühl her Richtung Osten, Richtung Istanbul eine kleine Reise zu tätigen mit dem Betreten eines Zimmers. Das ist für die Gäste hier ein unverwechselbares Gefühl.

Auch der Diwan, also wo ich sitze, gehört zum Beispiel in jedes türkische Haus, in jedem osmanische Palais sind Ecken mit Diwan zu sehen. Das ist ein Kennzeichen der osmanischen Kultur und ich wollte auch eine Ecke mit so einem Diwan schmücken und das ist mir hier gelungen. Der Diwan wurde extra für uns in der Türkei von einem Möbelhersteller hergestellt.

Welchen Gast hatten Sie beim Entwerfen dieses  Zimmers im Hinterkopf? Wer sollte hier denn wohnen?

Beim Entwerfen dieses Zimmer habe ich an eine Aristokratin, an eine osmanisch-österreichische Prinzessin gedacht, die sowohl von der österreichischen als auch von der türkischen Monarchie stammt. Aber sehr Jet Set mäßig, jung, in Wien, Istanbul, Paris, New York lebend. Diese würde in Wien in einem solchen Zimmer, in so einem Hotel wohnen. Das war mein Ausgangspunkt, deshalb die Eleganz und das bisschen Gold und auch der Chandelier ist ein antikes Stück. Gleichzeitig soll es modern sein, frisch sein, modisch sein. Ich habe Zeichnungen gemacht für diese Prinzessin, wie sie von diesem Hotel ausgeht, zum Beispiel zum Opernball.

 

Auch Ihre Mode konzentriert sich eher auf Frauen. Ist dieses Zimmer dann überhaupt etwas für Männer?

Aber natürlich, diese Suite ist sowohl für Frauen als auch für Männer. Auch wenn ich beim Entwerfen an eine osmanisch-österreichische Prinzessin gedacht habe, ist das Zimmer sehr neutral eingerichtet. Es wird einem kosmopolitischen, weltlichen Mann, der an Kunst und Kultur und an schönen Dingen im Leben interessiert ist, perfekt passen. 

 

Was ist Ihnen persönlich wichtig in einem Hotelzimmer?

Ich reise sehr viel, ich habe auch viele Jahre in einem Hotel in New York gewohnt. In Istanbul habe ich, obwohl ich dort ein Zuhause habe, auch einige Zeit in einem Hotel gewohnt. Ich höre immer von prominenten Freunden, von Künstlern und anderen Profis, dass sie sich im Hotel sehr wohl fühlen. Ich finde, das Altstadt Vienna schafft dies und übermittelt gleichzeitig ein ganz anderes Gefühl. Durch die Vielfalt an Räumlichkeiten. Kein Stockwerk gleicht dem anderen, alle Zimmer und Suiten sind von namhaften österreichischen und internationalen Architekten und Künstlern entworfen worden. Man möchte in einem Hotel zu Hause sein und doch nicht zu Hause sein. Man möchte sich wohl und bequem fühlen und doch in eine andere Welt eintauchen und vom Stress und dem Geschäftlichen wegkommen. Und das gelingt wunderbar hier. In meinem Zimmer besonders gut.  

Wie unterscheidet sich dieses Zimmer von Ihrem persönlichen Wohnstil zuhause?

Das Zimmer, das ich entworfen habe ist sehr ähnlich zu meinem Wohnstil. Ich traue mich noch nicht mir ein Boot zu kaufen, aber ich träume davon mir eine Yacht zu kaufen und dort zu leben. Mein Schlafzimmer dort würde genau so aussehen wie das Wohnzimmer hier. Bequem, modern und eine Leichtigkeit übermittelnd und doch elegant und nobel.

Danke für das Gespräch.