Altstadt

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Ringeltaube und Augarten in Zimmer 57.

 

Ihr Büro um die Ecke, langjährige Bekannte des Hauses und ein Gespür für Ästhetik. Es war nur eine Frage der Zeit bis Eugenie Arlt in ihrem Wiener Lieblingshotel ein Zimmer gestalten durfte. Die erfolgreiche Interior Designerin erzählt im Gespräch mit Geschäftsführer Philipp Patzel ihre Ideen hinter dem Entwurf von Zimmer 57. 

Double Room Classic M #57 at Hotel Altstadt Vienna

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Das Interview zum Lesen finden Sie unten nach den Fotos.

Ein Gespräch mit Eugenie Arlt

 

Eugenie, Du kennst das Altstadt Vienna schon lange...

 

In der Tat verfolge ich das Altstadt Vienna schon seit geraumer Zeit aus den Augenwinkeln. Es passieren hier ja stetig ganz tolle Sachen. Besonders viel Aufmerksamkeit entstand damals mit den Zimmern von Matteo Thun. Die Bilder dazu waren wirklich sehr sehr stark. Mich hat damals beeindruckt, wie man mit solch einem Coup sehr schnell eine herausragende Positionierung am Markt kreieren kann. Es hat viel Presse gegeben und man konnte herauslesen, dass das Hotel Altstadt authentisch ist und, dass wirklich passiert, was geschrieben wurde. Da gibt es nicht nur ein schönes Zimmer für die Presse und der Rest ist Durchschnitt. Nein, sondern da ist wirklich Mehrwert dahinter, ästhetische und auch gastgeberische Wertigkeit. Darüber hinaus liegt es auf meinem Weg ins Büro. Ich gehe somit jeden Tag dran vorbei und umso mehr freut mich das Zustandekommen dieser Zusammenarbeit.

 

Was waren die ersten Schritte in der Konzeptfindung für dieses Zimmer?  

 

Also die Vorgabe war sehr…die war minimalistisch. Das Zimmer sollte klassisch bleiben, also nicht allzu fancy oder abgehoben werden. Innerhalb dieses Korridors hab ich mich mit meinen Überlegungen bewegt und daher hab ich auch mit klassischen Farben gearbeitet. Ich habe diese vielleicht etwas moderner interpretiert, also aus diesem tiefen Rot ist ein helles Rot in Form von Rosa geworden. Das Blau ist jetzt nicht mehr das klassische Dunkelblau, sondern hat einen Rang als Petrolfarbe, die etwas modernere Interpretation. Die Einrichtung ist reduziert, ist wesentlicher, alles was man in einem Hotelzimmer haben muss ist da, aber nicht ein Stück mehr. Dekoration ist auf ein Minimum reduziert, bis auf ein paar feine Details. Damit ist es ein klassisches Zimmer geblieben, dass hoffentlich zeitlos sein wird in seiner Art.

 

Wir haben Dich auch gebeten, über eine Interpretation des Wiener Lebensgefühls nachzudenken und diese in Deinem Zimmer abzubilden. Was ist denn für Dich am Zimmer 57 Wienerisch oder was bringst Du mit dem Wiener Lebensgefühl in Einklang?   

 

Naja das Wiener Lebensgefühl ist ein bisschen eine Laissez-Faire Geschichte. Es ist nicht übertrieben schick, es stellt sich nicht dar. Es wirkt eher auf den zweiten Blick. Dann erst merkt man, dass da sehr viel dahinter ist. Dass hinter den Details eine längere Geschichte steht, die es oft wert ist gesehen zu werden und dadurch bekommt der Wiener Stil so eine gewisse Unabhängigkeit. Er interessiert sich nicht für das, was andere Menschen über ihn sagen, weil er schon so alt ist. Da Wien so ein Schmelztiegel aus verschiedenen Kulturen ist, passt es auch gut, dass man aus verschiedenen, anderen Designwelten Elemente hereinholt. In Summe passt das dann alles wunderbar zusammen. Wem es gefällt für den ist es schön. Und wem es nicht gefällt - da kann man auch nichts machen.

 

Wie äußert sich das denn nun im Zimmer, in den Möbeln, den Materialien?  

 

Ich habe versucht, mit Wiener und im weiteren Sinne mit Österreichischen Produzenten zu arbeiten, zum größten Teil ist es auch gelungen. Eine sehr Wienerische Angelegenheit sind die Farben, die kommen von der kleinen Farbmanufaktur Galerie SO im 6. Bezirk. Die haben eine Farbpalette, mit ganz lustigen Wiener Namen und sind quasi Sonderanfertigungen oder ganz spezielle Farbenmixturen. Wie zB „Augartenblau“ im Zimmer 57, das ist dieses wunderbare Blau hinter dem Bett, was ich wahnsinnig schön finde. Weiters haben wir noch "Ringeltaube" und "Donauturm" als Farbnuancen.

 

Dann finden wir die Vögel von Thomas Poganitsch. Jeder Vogel ist mit der Hand gemacht. Dieser schöne Blick ins Weite brachte die Idee der Zugvögel auf Reisen hervor. Dieses leicht verspielte, ein bisschen skurrile Element passt auch zum Wiener Stil, der auch oft von einer gewissen Imperfektion getragen wird. Die Möbel sind im Grunde größtenteils Maßanfertigungen, insbesondere dieser durchdachte Kasten. Er kommt von einer Tischlerei aus Niederösterreich. Da haben wir viel Zeit investiert und gezeichnet und geplant, damit das auch wirklich passt. Deshalb wäre es auch ungeschickt, wenn man ein Teil davon austauschen möchte. Das geht nicht, weil er aus einem Stück besteht.

 

Das Beetle-Sofa, der Tisch sowie die Deckenleuchten sind von Gubi aus Dänemark, ebenso die anderen Leuchten von Louis Poulsen. Da hab ich bewusst ganz klassische Dinge genommen, die sicherlich in ihrem Design überdauern werden. Die werden in 20 Jahren auch noch gekauft, wenn nicht sogar in 120 Jahren.

Ich meine ja manchmal auch – nicht unprovokant - “die Perfektion ist der Feind der Behaglichkeit“. Finde ich sehr sympathisch, wenn Du das mit dem Wienerischen in Einklang bringst. Was kannst Du zum Farbkonzept sagen? Es ist ja sehr weich dem Anschein nach.  

 

Beim Farbkonzept war mir wichtig, dass die Gäste in der Früh aufwachen, sich in den Spiegel schauen und sich schön fühlen - und nicht dann vor sich stehen und sagen „Oh um Himmels willen, alles ist furchtbar“. Das geht natürlich besser, wenn du schönes Licht hast, und Rosa ist eine schmeichelhafte Farbe. Wichtig ist auch ein gewisser Kontrast innerhalb der Farben, weil der Raum dann mehr Tiefe bekommt. Das Auge kann sich an daran fangen und orientieren. Daher das blaue Dreieck hinten, wobei da auch die Überlegung gegeben war, einen Baldachin darzustellen. Der Raum ist zu klein, um den Baldachin aus Stoff zu machen, also hat sich es angeboten ihn aus Farbe zu machen. Im Verlauf des Entwurfes ist aus einem Rechteck ein Dreieck geworden, weil es den Raum etwas optisch nach oben zieht.

 

Zimmer 57 ist mit 20m² einer unserer kleineren Räume. Worauf achtet man bei kleinen Einheiten eher?

 

Der Raum ist in der Tat eher klein. Hier kann das Farbkonzept helfen. Im Sommer ist Grau ein wunderschöner Konterpart zur Sonne, im Winter verlängert es den Raum optisch nach draußen, weil man die Grenze zwischen drinnen und draußen nicht so sieht, die verschwimmt dann ein bisschen. Allgemein glaube ich sogar, dass es besonders interessant ist, einen kleinen Raum machen, weil es viel schwieriger ist. Man muss sich wirklich auf das konzentrieren, was notwendig ist. Überflüssige Dekoration funktioniert nicht, braucht man auch nicht.  

 

Wie soll sich denn der Gast in deinem Zimmer Fühlen? Wen siehst du da drinnen?  

 

Das war jetzt gar nicht so geplant, aber wahrscheinlich werden sich Frauen wohler fühlen als Männer. Das heoßt, wahrscheinlich fühlen beide sich gleich wohl, aber aussuchen werden es sich eher Frauen als Männer. Der Raum hat eine unaufgeregte Attitüde. Ich mag unaufgeregtes Design, das trotzdem präsent ist. Ich glaube, der Gast ist jemand, der mit leichtem Gepäck reist, sich auf das Wesentliche konzentriert, der an Kleinigkeiten Gefallen findet und Finesse schätzt, der es gerne hell haben möchte. Das Zimmer ist das richtige für jemanden, der Platz braucht, ohne viel Raum zu haben.

Wie hat denn die verspiegelte Wand in Gedanken mitgespielt?  

 

Natürlich wird das Zimmer dadurch optisch viel größer und das Wunderbare hier ist ja, dass es gegenüber vom Spiegel sehr schön ist. Mit dem Spiegel holen wir das Außen herein und brechen das Licht vielfach. Es ist ein wunderbarer Kunstgriff, um einen Raum größer zu machen. Kann ich jedem empfehlen, der ein kleines Zimmer groß haben will.

 

Jetzt liegt der Spiegel direkt vor dem Bett…

 

Ja, so wie Gregor Eichinger gesagt hat: “ein Zimmer darf auch ein bisschen sexy sein.“ Natürlich kann man sich auch umdrehen oder nicht hinschauen.  

 

Bist du selber oft in Hotels unterwegs?  

 

In Wien würde ich mir das Hotel Altstadt aussuchen, weil ich kleine Hotels, individuelle Hotels mag. Gerne mag ich auch ganz große Klassiker wie zum Beispiel das Carlton. Die sind einfach sehenswert mit ihrer unheimlich schönen Atmosphäre. Die sind nicht ohne Grund da, wo sie sind. Sonst zieh ich jedoch eindeutig Häuser wie das Altstadt Vienna vor.  

 

Was muss es an Funktionalität mitbringen?  

 

Es gibt es eine Sache, die ich bei einem Zimmer ausschließe. Aber das ist sehr persönlich. Ich kann offene Bäder in Zimmern nicht ausstehen. Mir kann keiner erklären, dass eine Zahnbürste romantisch ist. Ich glaub auch, dass Privatsphäre etwas unglaublich Wichtiges ist, und sie erst dann zu schätzen lernt, wenn man sie nicht hat. Das geht vielleicht zwei, drei Tage gut, aber dann ist man leicht genervt. Sonst schätze ich, wenn das Licht schön ist, wenn es genug Stauraum gibt, der muss nicht groß sein, der muss nur gut organisiert sein, und natürlich mag ich es gerne, wenn es schöne Möbel gibt.   

 

Wie viel bringt man als Designer von seinem eigenen persönlichen Wohnstil mit, oder löst man sich davon komplett?  

 

Ich glaube, dass man als Designer irgendwann so etwas wie eine Art DNA entwickelt, eine „Design-DNA“. Das merkt man selbst vielleicht gar nicht so sehr, aber irgendwann kann man schon erkennen, von wem ein Entwurf sein könnte. Mein persönlicher Wohnstil, der ist gewachsen, der ist über Jahre entstanden. Er ist vielfältig aber reduziert, mit einigen wenigen klassischen Stücken durchmischt. Jedes Mal wenn ich umziehe, sieht meine Wohnung oder Haus anders aus. Das hängt komplett von der Adresse, von der Ausstrahlung des Hauses oder der Wohnung ab. Genauso mach ich das auch bei meinen Entwürfen.

Danke für das Gespräch.


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