Altstadt

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Ein sexy Zimmer für Cineasten

Eine stoffbespannte Wand hinter der sich Badezimmer, Schrank und Multimediazentrale verstecken. Wie ebendiese mit ihren Tiefen körperhafte Schwünge erzeugt erklärt Ihnen Architekt Gregor Eichinger im Interview. Lauschen Sie seinen Ansätzen und erleben Sie das Zimmer 66 in nachfolgendem Video.

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Wollen Sie in einem Zimmer wie #67 wohnen? Es handelt sich um eine Suite M. Sehen Sie hier mehr Suite Ms. 


Das Interview zum Lesen finden Sie unten nach den Fotos.

Das Gespräch in voller Länge

 

Wieso haben Sie sich für eine Zusammenarbeit mit dem Altstadt Vienna entschlossen?    

 

Wenn man sich mit Hotels und deren Geschichte beschäftigt, fällt einem auf, dass es nach dem zweiten Weltkrieg einen Bruch gibt. Bis dahin waren die Häuser Repräsentanten der Stadt, die man besucht hat, danach waren sie Vorposten für Handelsreisende aus den USA. Da hat sich etwas eingeschlichen, dass Hotels international globalisiert wurden, um auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen. Das bedeutet, dass sich alle Hotels an die amerikanischen Standards genähert haben, die eigentlich nichts Anderes geschaffen haben als Heimat für ihre Geschäftsreisenden, damit diese sich dann in der Fremde am Abend wohlfühlen.

Das Altstadt Vienna ist ein Hotelformat, dass mir sehr gefällt, weil es aus Wien heraus entwickelt wird, auf Vielfalt beruht und die Qualität dieser Stadt wieder in den Vordergrund bringt, ohne dass es an einem Standort ist, der vor sich eine Nobel-Sehenswürdigkeit hat. Im Gegenteil, das Hotel selbst ist eine Sehenswürdigkeit. 

 

Welche Vorgaben hatten Sie seitens des Bauherrn, seitens des Altstadt Vienna?

 

Dass ich entspannt bleibe. 

Das ist das Allerwichtigste. Ich erinnere mich, eine kleine Vorgabe haben wir schon gegeben. Wenn man das Altstadt Vienna kennt, dann ist es charakterisiert durch seine vielfältigen Facetten. Jedes Zimmer ist anders und demnach ist ein roter Faden sehr wichtig für uns. Und dieser rote Faden ist die Interpretation des Wiener Lebensgefühls – Wie haben Sie dies hier in diesem Zimmer umgesetzt?

 

Einerseits durch die Idee von einer Emotionalität der Oberflächen und dass wir den Raum inszenieren und wir vom Bett aus in die Stadt hinausschauen. Dass wir nicht vom Bett aus ins Zimmer schauen, sondern dass wir das Gefühl haben, wie in Hitchcock’s Fenster zum Hof, dass wir hinausschauen können. Raus aus diesem schönen Fenster, welches gut proportioniert und in Relation zu der Raumdimension sehr schön geschnitten ist. Dies ist schon ein Repräsentant von Wien. Das ist schon so wienerisch, man kommt rein und weiß die Stadt ist das Thema. Und nicht das Zimmer.

Das Zimmer versorgt einen, das Zimmer schaut, dass die Akustik halbwegs okay bleibt, das heißt wir haben weiche Oberflächen. Das Zimmer verbirgt Verborgenes, es birgt alle Annehmlichkeiten, die man erwartet, die aber nicht im Vordergrund sind, sie sind vorhanden aber drängen sich nicht auf. Das Zimmer hat noch dieselbe Blickrichtung in der die Stadt repräsentiert wird. Man kann sozusagen noch tiefer gehen und viel mehr Dinge anschauen, die zum Teil auch mit der Stadt zu tun haben, oder mit der Idee von Emotionalität. 

Sie haben Hitchcock’s Fenster zum Hof erwähnt, jetzt hat dieses Zimmer eine Besonderheit, nämlich die Möglichkeit Filme in einer anderen Form zu schauen, als man es im Hotel gewöhnt ist. Möchten Sie uns darüber ein bisschen erzählen?

 

Die Filme kann man vom Bett aus schauen. Sie werden dort abgespielt, wo sich das Fenster befindet. Wir haben das Bett als zentrales Möbelstück mit Blick in jede Richtung. Es war somit eigentlich der Komplett-Ausstatter was die Technik betrifft. Im ersten Entwurf gab es die Möglichkeit, dass sogar die Projektion vom Bett aus in alle Richtungen stattfindet. Das haben wir dann reduziert, das es für den Gast technisch zu kompliziert geworden wäre. Man muss es vereinfachen, sodass wir jetzt eine Sitzbank mit TV Gerät und das Bett, dass dann das große Kino bringt, haben.

 

Man merkt Sie sind ein Cineast…

 

Ja.

 

Welchen Film soll sich ein Gast in diesem Zimmer hier ansehen?

 

Da gibt’s eine ganze Auswahl und kommt natürlich auf die Begleitung und auf die Stimmung an. Es gibt ein paar ganz tolle Filme, die sozusagen Cinema Noir aus den Wiener 50er Jahren. Der Klassiker ist natürlich der 3. Mann, aber dann gibt es natürlich auch noch ganz andere Sachen wie Rio Bravo oder The Big Lebowksi.

Gregor Eichinger Room #66 at Altstadt Vienna, (c) Georg Bodenstein

Sie haben uns über die Möbel und das Interieur, das Gefühl, das aufkommen soll erzählt. Wer ist sozusagen der richtige Gast, wen sehen Sie in diesem Zimmer und wie soll er sich fühlen?

 

Der Gast soll sich natürlich sehr „cosy“ fühlen, er soll reinkommen und er weiß, dass wenn er die Tür hinter sich zumacht, dann schaut er wieder hinaus in die Welt. Er kommt aus der Stadt und ist mit ihr verbunden. Ich finde, Gäste die das Gesamterlebnis Hotel Altstadt buchen, würden sich sicher wohlfühlen. Einfach aufgrund dieser Idee, dass Wien hier stattfindet und dass es eine Vielfalt gibt. Ich habe jetzt nicht einen besonderen Gast vor Augen, wo man sagt, der sollte Schriftsteller sein, oder ein Ehepaar, oder ein junges Ehepaar, Liebende, alles soll passieren. Ich mag die Idee, dass die Gäste bei einem längeren Aufenthalt einen ruhigen Abend verbringen, dass sie gar nichts anderes mehr vor haben, dass sie sich zum Beispiel ein Essen bestellen und einfach gemeinsam einen tollen Film anschauen. Ein tolles, intensives Angebot.

 

Sie nächtigen selber oft in Hotels, was ist Ihnen persönlich wichtig, wenn Sie in einem Hotel wohnen?

 

Dass ich spüre, dass es einen gewissen Grad der Aufmerksamkeit für meine Bedürfnisse gibt und das sieht man hier zum Beispiel einfach an dem Wasser, den Äpfeln, das ist schon mal alles da. Ich wollte einfach weg von dieser „Bett an der Wand Situation“, die einfach ein absoluter Standard ist. Mir ist es dann eine Freude wenn man wieder in einen Raum kommt, der einfach irgendwie anders ist und in diesem Hotel sind alle so. Dies hier versucht einfach, dem Bett einen anderen Stellenwert zu geben, es ist wie ein Fahrzeug mit dem man auch weiter fahren kann, bis zur Adria. 

Vielleicht eine persönliche Frage, wie unterscheidet sich Ihr persönlicher Wohnstil von diesem Zimmer?

 

Das ist etwas was ich gerne selber hätte, der persönliche Wohnstil ist frei nach Arnold Schwarzenegger „stay hungry“. Das heißt ich wohne sehr skizzenhaft.

 

Wollen  Sie uns ein bisschen über die Materialien erzählen, die Sie hier verwendet haben?

 

Die Materialien sind Stoffe, entworfen von Herzog de Meuron für Kvadrat, die eone sehr angenehme haptische Qualität haben und auch akustisch etwas können. Wir haben die Wand mit den Griffen, die Dusche, Waschmöglichkeiten, Schrank und eine intelligente Wand, die in sich lichtdurchlässig ist, das heißt hinter der Stoffschicht ist alles verglast und das Licht kann quer durchfließen. Wir haben, einen schönen Raum, den ich aufgrund seiner Proportion sehr mag, das ist eigentlich eine der Qualitäten, die Wien aus dieser vergangenen Zeit hat, dass Raumhöhen zur Verfügung stehen, die einem Luft zum Atmen geben und dadurch auch große Fenster, die genügend Licht eintreten lassen, obwohl man in einer eigentlich schmalen Gasse ist.

 

Als Kontrast zu den Stoffen, dominiert im Entreebereich Makassar Holz?

 

Das Makassar ist sozusagen, die hochpolierte, tolle Gegenwelt, die zeitgenössisch ist, die sozusagen Bescheid weiß. Dieses Holz weiß Bescheid über Blogs und soziale Netzwerke. Das ist eine direkte Verbindung zu einer Welt, die parallel virtuell intensiv gelebt wird und bindet. Dies ist für mich die einzige Anbindung an den internationalen Lifestyle. Wo Wien mit der Welt, die da draußen außerhalb Wiens stattfindet, verbunden ist. Das würden wir jetzt genauso in New York, Paris oder London erleben und zwar jetzt und mit dem jetzigen Aufritt spüren wir das sofort, es ist genau die Sprache. Alles andere bezieht sich auf eine Eleganz, die Wien zum Thema hat. 

Gregor Eichinger Room im Hotel Altstadt Vienna, Boutique Hotel Wien, Design Hotel Wien, Design Hotel Vienna, Stefan Just, Boutique Hotel Wien, Architektur im Hotel

Was ist der wahre Protagonist im Raum?

 

Das Bett steht mitten im Raum und ist das Universal-Aufenthalts-Erlebnis. Es soll noch mehr dazu einladen sich dort aufzuhalten und auch tagsüber Zeit darin zu verbringen. Da wir auch zu wenig Platz hatten für ein weiteres Sofa etc. ist, muss das Bett dafür herhalten und die Hocker, die dann auch Tische sein können, deren Job erledigen. Im Zentrum des Raums ist eigentlich nur Stoff oder die Wand und im Bett werden die Projektionen angesehen. Alles kommt vom Bett und wird vom Bett aus erlebt. Das ist hier das Thema.

 

Was sagt die Form der Wand aus?

 

Wenn man alles in der Wand unterbringt, dann hat man natürlich verschiedenste Tiefen. Tiefen, die man benötigt. Um genügend Raum für das Bett frei zu lassen, schwingt die Wand von der Dusche zurück auf die Waschtischtiefe. Sie hätte auch gerade durchgehen können, aber das war mir dann eine Spur zu eng für den Rest des Raumes und deswegen gibt es einfach diesen eleganten Schwung, der vielleicht so ein bisschen eine körperhafte Komponente reinbringt. Ein bisschen sexy darf das Zimmer ja sein.

 

Damen-Rundungen?

 

Ich habe es vermieden. Ich habe vermieden das zu sagen. 

Wieso sind die Türgriffe vergleichsmäßig hoch angesetzt?

 

Wir leben in einer Zeit, in der  wir die Architektur nicht mehr in die Hand nehmen. Früher haben wir durch Türgriffe die Architektur in die Hand genommen und eine persönliche Beziehung mit dem Gebäude aufgebaut. Jetzt öffnen sich die Türen von selbst. Das Öffnen von Türen ist ein bewusster Akt. Wenn wir zurückschauen, in älteren Gebäuden sind die Griffe auch höher gesetzt, damit man die Türen ganz bewusst öffnet. Die Idee ist hier dieselbe, erstens ist es sichtbar, zweitens ist es unüblich. Etwas woran man sich erinnert und eine positive Erinnerung und ein bewusstes Umgehen mit der Einrichtung ist die Idee.

 

Vielen Dank für das Gespräch.